#3: "Des Kindes Produktionsdatum"

1. ✊🏻 Veto-Magazin - Protest und Verantwortung - Wir zeigen Engagement!

Eine feine Idee: Veto will das Engagement in unserer Zivilgesellschaft sichtbar machen. Ich habe schon eine Handvoll der Berichte gelesen und bin ziemlich begeistert. Genau das Richtige für alle, die finden, dass unsere Gesellschaft vor die Hunde geht! (Die Meinungen darüber gehen übrigens auseinander.)

Wer ist das eigentlich, diese Zivilgesellschaft? Weil diese Frage meist unbeantwortet bleibt, wollen wir Engagement sichtbar machen. Und denen, die finden, dass es nun höchste Zeit ist, sich einzumischen, zeigen, wie es gehen kann. Veto ist in erster Linie ein Blog, aber genauso ein Magazin und eine Plattform für jene, die sich auf den Weg gemacht haben, die Demokratie wiederzubeleben. […]

Die Redaktion begleitet Menschen, die überzeugt sind, dass sich die Welt verändern lässt – nicht durch Hass und Gewalt, sondern durch das gemeinsame Ringen um Werte. Veto will eine Stimme für die unzähligen Engagierten im Land sein und sichtbar machen, was sie täglich leisten. Unsere Idee: 50 Engagierte in 50 Wochen. In Reportagen, Interviews und Features werden engagierte Menschen und ihre Arbeit vorgestellt, um zu zeigen, wie wichtig und notwendig ihre Ideen und ihr Wirken sind.

(Via Krautreporter Morgenpost.)


2. 👩‍👦‍👦 Sie brauchen keine bessere Bildung! (Krautreporter)

Wo wir gerade über (digitale) Ausbildung an deutschen Schulen sprechen — es ist ein Thema, das mir am Herzen liegt. Wir haben zwar selbst kein Gelege, aber Freunde, Familienmitglieder und Bekannte mit Kindern, und auch daher ein wenig Einblick. Unser Schulsystem ist für eine andere Zeit gemacht, und (im Kontext unserer Gegenwart betrachtet) effektiv kaputt. Es verbrennt Kinder und Lehrer und viel vom notwendigen Idealismus bei allen Beteiligten.

Unsere Schulen haben sich seit 200 Jahren kaum verändert. Das hat katastrophale Folgen. Deswegen brauchen Kinder keine bessere Bildung – sondern eine ganz andere. […]

Der englische Theaterpädagoge Sir Ken Robinson sagt: Unser Bildungssystem ist für eine andere Gesellschaft entwickelt worden, für das Zeitalter der industriellen Revolution und der Aufklärung. Die Schule ist deshalb nach dem Modell der Fabrik aufgebaut: Schüler*innen werden nach Alter sortiert, die jedes Jahr wie am Fließband vorrücken.

Doch Ken Robinson fragt: Warum ist ausgerechnet das Produktionsdatum des Kindes das wichtigste Kriterium, um es einzuordnen? In der ersten Klasse sind die Leistungsunterschiede riesig. Da gibt es Kinder, die können schon am Computer programmieren, und dann gibt es welche, die in der dritten Klasse noch keinen Satz schreiben können.


3. ♻️ Recycling: Wohin mit dem Plastikmüll? (ZEIT)

Das Thema "Müllvermeidung" liegt mir wirklich am Herzen. Ich beackere mit Freunden seit gut zwei Jahren das Feld der Coffee-to-go-Einweg"kultur" — d.h. wir wollen sie abschaffen. Wer sich etwas länger als 10 min mit Wegwerfgeschirr und Plastikmüll beschäftigt, dem/der stellen sich in der Regel schnell die Nackenhaare auf. Plötzlich sieht man nur noch unverwertbaren Verpackungsdreck überall, und der Wunsch nach "weniger" und "nachhaltiger" kommt von allein. Ich finde daher, das Wissen um Müll, Verschwendung, Fast Fashion und (unmögliches bzw. fehlendes) Recycling gehört auch an die Schulen. Zeigt Kindern, was Consumerism bewirkt, und lasst sie selbst Schlüsse ziehen. Kinder kapieren schnell, was scheisse läuft und was repariert werden muss! (Siehe die #FridaysForFuture-Proteste.💚)

Aber ich schweife ab. 😉 Deutschland's Recycling-Industrie erlebt gerade einen Boom. Der Grund: China importiert keinen Müll mehr.

Die Erfolgsgeschichte […] fing vor ziemlich genau sechs Monaten in China an. Da verhängte die Volksrepublik einen Einfuhrstopp für Kunststoffabfälle, die sie bis dahin reichlich importierte. Man könnte auch sagen: China war bisher das Land, das vor allem Europa vom Plastikmüll befreite. 56 Prozent des Kunststoffabfalls verschiffte die Welt nach China, die EU-Staaten wurden dort sogar 87 Prozent ihres Plastikdrecks los. Rund 760.000 Tonnen Plastikmüll lieferte auch die Bundesrepublik jährlich an China. Damit ist jetzt Schluss.

Große Panik gerade auch in den USA deswegen.

+ Where Will Your Plastic Trash Go Now That China Doesn't Want It? (NPR): "For years, America sold millions of tons of used yogurt cups, juice containers, shampoo bottles and other kinds of plastic trash to China to be recycled into new products. And it wasn't just the U.S. Some 70 percent of the world's plastic waste went to China – about 7 million tons a year."

+ Is This the End of Recycling? (The Atlantic): "Americans are consuming more and more stuff. Now that other countries won’t take our papers and plastics, they’re ending up in the trash."

Das ist kein Grund zur Häme, denn vom angefallenen Müll wird jetzt noch weniger dem Recycling zugeführt, sondern stattdessen verbrannt oder in der Landschaft verscharrt. 😫


4. 🇨🇳 Understanding China's AI Strategy (Center for a New American Security)

Apropos "China": die Führung der Volksrepublik sieht den Aufbau von KI-Systemen, -Know-how und -Dominanz als strategische Notwendigkeit — und das auf ziviler, kommerzieller sowie militärischer Ebene. Die Welt steuert auf ein internationales Wettrüsten bei künstlicher Intelligenz zu, die USA und China teilen den Markt unter sich auf und investieren hunderte Milliarden Euro in Initiativen, Werke, Lehrstoffe und Unis, während Deutschland noch überlegt, ob Kindern digitale Ausbildung in der Schule zuteil werden sollte, und wie viel davon.

Ziemlich langer, sehr lesenswerter, etwas nachdenklich machender Report.

In the second half of 2018, I traveled to China on four separate trips to attend major diplomatic, military, and private-sector conferences focusing on Artificial Intelligence (AI). During these trips, I participated in a series of meetings with high-ranking Chinese officials in China’s Ministry of Foreign Affairs, leaders of China’s military AI research organizations, government think tank experts, and corporate executives at Chinese AI companies. From these discussions – as well as my ongoing work analyzing China’s AI industry, policies, reports, and programs – I have arrived at a number of key judgments about Chinese leadership’s views, strategies, and prospects for AI as it applies to China’s economy and national security […]

In my interactions with Chinese government officials, they demonstrated remarkably keen understanding of the issues surrounding AI and international security. It is clear that China’s government views AI as a high strategic priority and is devoting the required resources to cultivate AI expertise and strategic thinking among its national security community. This includes knowledge of U.S. AI policy discussions. I believe it is vital that the U.S. policymaking community similarly prioritize cultivating expertise and understanding of AI developments in China. I hope this report has helped contribute to that objective.

Still, no amount of information on China’s AI strategy will be sufficient by itself to meet the competitive challenge posed by China.


5. 🎧🚀 The Clarkesworld Podcast

Das US-amerikanische Clarkesworld Magazine erscheint monatlich seit 2006 (auf Papier) und beinhaltet neben Interviews und Artikeln auch immer neue SciFi-Kurzgeschichten. In jeder Episode des dazugehörigen Clarkesworld Podcast liest Sprecherin Kate Baker (fantastisch gut) eine dieser Geschichten vor. Dank ihrer durchschnittlichen Länge von ~45 min sind die einzelnen Episoden wie gemacht als Einschlafhilfe. 💤

The Clarkesworld Podcast features all of our fiction in audio form. Each episode is hosted by Kate Baker and features a story from our current issue. Best of all, we offer this service completely free of charge.

Wenn mich meine Podcast-App nicht anlügt, sind bisher unglaubliche 569 Episoden erschienen! Eine absolute Perle.


Bonus: Newsletter-Empfehlung ✉️ Deutschlandradio Nachrichten

Jeden Morgen bekomme ich vom Deutschlandradio einen schnellen, gut zusammengefassten Überblick über die relevantesten Themen der letzten 24h. Nur Text, keine Bilder, kein Schnickschnack. Damit bleibe ich auf dem Laufenden und kann mich ansonsten aus dem News-Zyklus herausnehmen, der uns — wenn wir ganz ehrlich sind — alle etwas irre macht.

Dafür zahle ich gern Gebühren!


Danke fürs Lesen, ich hoffe, es war etwas für Dich dabei. Wenn nicht: vielleicht beim nächsten Mal, aber ich mache keine Versprechungen. 😀

Für Fragen, Kritik oder Anregungen kannst Du mir einfach eine Mail schicken oder mich antröten. Und wenn Dir die Ausgabe gefallen hat, schick sie gern weiter oder erzähle Deinen Leuten davon, es würde mich freuen!

Bis zum nächsten Mal,
–Carlo.