#8 - Händeschütteln ist so 2019

Zack, nach dem April kommt direkt der September! 2020 ist seltsam, ja, aber ich und dieser Newsletter leben noch. 😏


1. 🤝 There’s an easy solution for replacing handshakes forever (Washington Post)

Nachdem Jedem:r klar sein dürfte, dass die Ära des Händeschüttelns vorbei sein dürfte, empfiehlt dieser WaPo-Artikel als Alternative die hinduistische Namasté-Geste. 🙏🏻 Find ich gut, nicht zuletzt auch, weil ich sie selbst schon oft benutzt habe, da sie schlichtweg ein freundlicher Gruß ist.

Wenn man die Handflächen und Finger vertikal zusammendrückt und sich dabei leicht verbeugt, kommt man dem, was wir mit einem universellen Gruß eigentlich erreichen wollen, viel näher. In seiner ursprünglichen hinduistischen Form drückt er aus: "Ich verbeuge mich vor dem Göttlichen in dir". In einem säkularen westlichen Kontext (ohne tatsächlich "Namasté" zu sagen) vermittelt die Geste guten Willen ohne jegliche handschlagartige Untertöne von Status oder Dominanz. Sie signalisiert Zielstrebigkeit und Selbstbeherrschung; es besteht kein Grund zur Sorge, dass jemand die Qualität der Ausführung beurteilen könnte. Und statt an die mittelalterliche Kriegerkultur anzuknüpfen, wie es ein Handschlag tut, ruft die Namasté-Geste die Ehrfurcht eines christlichen Gebets hervor.

(Originaltext ist Englisch.)


2. 💯 Kapitalismus: Dieters Paradies (ZEIT)

Mely Kiyak schreibt gegen den allgegenwärtigen Wunsch nach dem “Zurück zur Normalität” an, und fragt, wie “normal” wir vor Corona überhaupt gelebt haben. Etwas polemisch, ja, aber im Kern spricht sie mir aus dem Herzen.

[…] Zumindest, wenn man es nicht falsch versteht, ist es wohl das langfristige Ziel: zurück zur Normalität. Eine Normalität, die mit dem Wort Gewohnheit besser umschrieben wäre. Denn was ist an dem Vor-Corona-Deutschland normal gewesen? Möglicherweise war ja alles total kaputt und als Konzept längst fertig gelebt? Vielleicht kann man dem Dieter von ganzem Herzen wünschen, dass er sich abends ein letztes Mal auf seinen Pumpernickel ein Stück Géramont drauflegen darf, und dann soll endlich Schluss sein mit dieser katastrophalen Scheiße namens Kapitalismus ohne soziales Antlitz, der nicht zufriedenere Bürger hervorgebracht hat, sondern zunehmend Frustrierte und Radikalisierte.

Eine Normalität war das alles hier nämlich nicht. Angefangen von einer Flüchtlingspolitik, die keine Politik ist, sondern ein nur durch Unverschämtheit und Missgunst zu erklärendes Desaster, bis hin zu einer grotesken Überproduktion von Waren, die zu Armut auf dem afrikanischen Kontinent führt, nur damit Deutschland weiterhin seinen Status als Exportweltmeister halten kann. Wenn das Normalität ist, zu der zurückgekehrt werden soll, dann bitte lieber nicht.

+ Bonus-Link zum gleichen Thema: Kehren wir zurück zu etwas Neuem von Samira El Ouassil im SPIEGEL.


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3. ⚡️ Das Postwachstums-Unternehmen, das rasant wächst (Krautreporter)

Eine nachhaltige, bürgerliche, partizipative Erfolgsgeschichte aus dem Schwarzwald. 💚

Vor 20 Jahren kauften Bürger:innen im Schwarzwald das Stromnetz eines großen Energieunternehmens. Es sollte eine neue Form des Wirtschaftens werden: regional, demokratisch, Postwachstum. Heute wachsen die Elektrizitätswerke Schönau immer schneller. Ist das kein Widerspruch? […]

Postwachstumsunternehmen möchten unsere Art zu wirtschaften so verändern, dass wir dieses Ziel [eine gerechte, nachhaltige Lebensweise für alle] erreichen können. Dafür ist ein Mechanismus entscheidend: Transformation. Es geht nicht darum, Verbrennungsmotoren durch elektrische zu ersetzen. Sondern darum, Mobilität neu zu denken. Im Energiesektor heißt das: Nicht nur Atom- und Kohlekraft durch Windenergie zu ersetzen, sondern die Art, wie wir Energie produzieren und mit ihr umgehen, neu zu denken. In der Postwachstumstheorie geht es immer um alles: Wachstum. Demokratie. Regionalität. Bewusstseinswandel.


4. 🤫 The Coronavirus Is Rewriting Our Imaginations (The New Yorker)

Kim Stanley Robinson, einer der Autoren, deren Werke einen großen Einfluss auf mein Denken hatten, in einem Essay zu den Chancen, die sich uns als Nebenwirkungen der Pandemie bieten:

Margaret Thatcher sagte, dass es "so etwas wie eine Gesellschaft nicht gibt", und Ronald Reagan erklärte, dass "die Regierung nicht die Lösung für unser Problem ist; die Regierung ist das Problem". Diese dümmlichen Slogans markierten die Abkehr von der Nachkriegszeit des Wiederaufbaus und untermauern einen Großteil des Schwachsinns der vergangenen vierzig Jahre.

Wir sind in erster Linie Individuen, ja, genau wie die Bienen, aber wir existieren in einem größeren sozialen Gefüge. Die Gesellschaft ist nicht nur real, sie ist elementar. Wir können ohne sie nicht leben. Und jetzt beginnen wir zu verstehen, dass dieses "Wir" viele andere Lebewesen und Gesellschaften in unserer Biosphäre und auch in uns selbst einschließt.

(Originaltext ist Englisch.)


5. 🎦 I read every Halo novel to prepare for Halo Infinite and it broke me (Polygon)

Ich arbeite mich langsam durch Brian Gilbert's wundervollen Unraveled-Katalog, und dieses Video war mein Einstieg. Der Mann ist leicht wahnsinnig, und ich finde es gut.

😂


Danke fürs Lesen, ich hoffe, es war etwas für Dich dabei. Wenn nicht: vielleicht beim nächsten Mal, aber ich mache keine Versprechungen. 😀

Ich will ehrlich sein: ich würde mich freuen, wenn ich mehr Subscriber hätte. Du könntest mir helfen, wenn Du diese Ausgabe an zwei oder drei Leute weiterschicken würdest, die 5FV noch nicht kennen und es vielleicht mögen könnten. DANKE!

Und für Fragen, Kritik oder Anregungen schick mir einfach eine Nachricht per Mail, per Telegram oder per Mastodon.

Bis zum nächsten Mal, bleib gesund,
– Carlo.